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Libellen am Gera-Flussufer in Erfurt

20.06.2025

50.9839 / 11.0335

Ich war früh am Fluss, kurz nach sieben. Das hat einen praktischen Grund: Libellen sind wechselwarm. Solange die Körpertemperatur nicht stimmt, können sie nicht fliegen - sie sitzen auf Halmen und Steinen und warten auf die Sonne. Das ist das Zeitfenster. Kein Geduldsspiel, sondern schlicht Physiologie.

In dieser Phase kann man nah ran. Ich arbeite mit meinem Tele, meist ohne Stativ oder aufgestützt, und bewege mich langsam von der Seite an. Nicht frontal - der Anflug von vorne löst die Fluchtreaktion zuverlässiger aus. Die Facettenaugen sind das dankbarste Motiv: bei guter Schärfe erkennt man einzelne Ommatidien. Dafür braucht es allerdings kleine Blenden, und damit wird es schnell dunkel. Ich fahre in der Regel f/8 bis f/11 und nehme lieber ISO 800 in Kauf als eine Schärfeebene, die nur den halben Kopf trifft.

Ab etwa zehn Uhr ist Schluss mit Ruhe. Dann jagen sie. Große Königslibellen patrouillieren ihr Revier ab, immer dieselbe Strecke, und wenn man das Muster einmal erkannt hat, kann man sich hinstellen und vorfokussieren. Flugaufnahmen brauchen kurze Zeiten - unter 1/2000 wird es schwierig, die Flügel einzufrieren, und ob man das überhaupt will, ist Geschmackssache. Etwas Bewegungsunschärfe in den Flügeln zeigt zumindest, dass da ein Tier fliegt und kein Präparat auf einem Halm klebt.

Was den Tag interessant macht, ist weniger die Ausbeute als das Beobachten nebenbei. Reviergrenzen, Rangeleien zwischen Männchen, die Eiablage - Weibchen mancher Arten tauchen dafür komplett unter Wasser und bleiben minutenlang. Solche Dinge sieht man nur, wenn man ohnehin schon eine Stunde reglos am Ufer steht und nichts zu fotografieren hat.

Am Ende hatte ich rund vierhundert Aufnahmen, davon vielleicht ein Dutzend brauchbare und drei, die ich behalten habe. Das ist eine normale Quote. Wer damit ein Problem hat, sollte etwas anderes fotografieren.


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